Am 14. April 2026 besuchte uns Maria Radziwon, Krankenhausseelsorgerin am BKH Lienz, um uns ihre wichtige Arbeit und den sensiblen Umgang mit sogenannten „Sternenkindern“, Kindern, die während der Schwangerschaft oder rund um die Geburt sterben, näherzubringen. Die durch den Kirchenbeitrag finanzierte Seelsorge unterstützt nicht nur Eltern in dieser Ausnahmesituation, sondern ist auch für Mitarbeiter, die Bücherei, Nikolausfeiern und das Kindergrab zuständig. Da dieser Verlust bei jeder dritten bis vierten Schwangerschaft vorkommt, ist eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema von großer Bedeutung.
Im Zentrum der Begleitung steht der würdige Abschied. Eltern sollen die Möglichkeit erhalten, Erinnerungen zu schaffen, etwa durch Fotos oder Fußabdrücke. Das Kind wird liebevoll in ein Einschlagtuch oder ein kleines Schifferl gebettet, als Andenken erhalten die Eltern oft ein Herz im gleichen Stoffmuster. Auch die Namensgebung ist ab der 14. Schwangerschaftswoche möglich und hilft bei der Bewältigung. Da die betroffenen Kinder für Untersuchungen zunächst in die Pathologie nach Schwarzach gebracht werden, ist eine gute Information der Eltern durch das Krankenhaus essenziell.
Rechtlich und medizinisch wird zwischen Fehlgeburt (unter 500 g, keine Lebenszeichen), Totgeburt (über 500 g) und Lebendgeburt unterschieden. Abhängig vom Zeitpunkt der Schwangerschaft bieten sich in Lienz verschiedene Wege an: Während für Kinder bis zur 13. Woche alle zwei bis drei Monate eine gemeinsame Beerdigung stattfindet, ist ab der 14. Woche eine Einzelbestattung möglich, wobei auch die Beisetzung im Familiengrab offensteht. Bei einer Geburt im Krankenhaus stehen den Eltern zudem Wochenschutzzeiten oder Krankenstandstage zu, um Zeit für den Abschied zu finden. Medizinisch gesehen liegt die Grenze für eine intensive Betreuung vor Ort meist bei der 32. Schwangerschaftswoche, wobei gute Überlebenschancen bereits ab der 25. Woche bestehen.
Abschließend betonte Maria Radziwon, wie wichtig ein klarer, ehrlicher Umgang mit dem Thema ist, besonders wenn Geschwisterkinder einbezogen werden. Begriffe wie „tot“ oder „gestorben“ sollten direkt verwendet werden, um bei Kindern keine falschen Ängste, etwa vor dem Schlafengehen, zu machen. Mit jährlich etwa 80 bis 100 Bestattungen von Sternenkindern in Lienz unterstreicht diese Arbeit, wie wesentlich Empathie und Wertschätzung sind, um betroffenen Familien in ihrer Trauer beizustehen.
Text: Marlena Wurzer, 2BHM
Bild: Maria Radziwon









